Irgendwann kommt der Punkt, an dem Einstellungen und Optimierungen nicht mehr viel helfen. Der Akku ist einfach alt, die Kapazität ist zu weit gesunken, und das Gerät schafft es kaum noch durch den halben Tag. Dann stellt sich die Frage: Akku wechseln – oder neues Handy kaufen?
Beide Optionen haben ihre Berechtigung. Die Antwort hängt von ein paar konkreten Faktoren ab, die sich nüchtern abwägen lassen.
Was ein Akkutausch kostet
Die Kosten für einen professionellen Akkutausch variieren je nach Gerät und Dienstleister erheblich. Bei Apple-Geräten liegt der offizielle Preis je nach Modell zwischen etwa 70 und 100 Euro – für neuere iPhones eher am oberen Ende. Drittanbieter und unabhängige Reparaturwerkstätten sind oft günstiger, arbeiten aber mit Akkus variabler Qualität.
Bei Android-Geräten ist das Spektrum breiter. Für Mittelklassegeräte liegen die Kosten häufig zwischen 40 und 80 Euro, für Flaggschiffe kann es mehr sein. Manche Hersteller – Samsung etwa – ermöglichen bei bestimmten Modellen einen vergleichsweise einfachen Tausch; bei anderen sind Gehäuse und Akku so fest verbaut, dass der Aufwand steigt.
Wer es selbst machen möchte: Bei manchen Geräten ist das mit einem Repair-Kit aus dem Internet machbar, bei anderen ist das Öffnen des Gehäuses ohne Erfahrung riskant. Ein falsch eingesetzter Akku oder ein beschädigtes Flexkabel kann mehr Schaden anrichten als der Akkuverschleiß selbst.
Wann sich der Tausch lohnt
Der Akkutausch macht am meisten Sinn, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: Das Gerät selbst ist noch in gutem Zustand, der Akku ist messbar alt, und das Gerät bekommt noch Softwareupdates.
Ein zwei oder drei Jahre altes Flaggschiff, das noch aktuelle iOS- oder Android-Versionen erhält und ansonsten gut funktioniert, ist ein guter Kandidat. Mit einem neuen Akku kann es problemlos weitere zwei bis drei Jahre genutzt werden. Der Tausch kostet einen Bruchteil eines Neukaufs und der ökologische Fußabdruck ist deutlich kleiner.
Besonders bei iPhones ist der Akkutausch eine gut etablierte Option. Apple hat die Reparierbarkeit in den letzten Jahren verbessert, und der offizielle Service läuft in der Regel reibungslos.
Wann ein Neukauf sinnvoller ist
Wenn das Gerät neben dem Akku auch andere Schwächen zeigt – langsame Performance, fehlende Updates, veraltete Kamera, beschädigtes Display – dann ist ein Akkutausch ein Pflaster auf ein größeres Problem. Es macht wenig Sinn, 80 Euro in ein Gerät zu investieren, das ohnehin bald ersetzt werden soll.
Auch bei sehr alten Geräten, die keine Sicherheitsupdates mehr erhalten, ist die Investition fraglich. Ein Gerät, das seit Jahren keine Betriebssystem-Updates bekommt, hat strukturelle Sicherheitslücken, die kein neuer Akku schließt.
Und wenn die Akkugesundheit zwar niedrig ist, das Gerät aber noch halbwegs durch den Tag kommt und die Nutzung sich verändert hat – weniger intensiv, mehr zu Hause mit Zugang zu einer Steckdose –, dann ist der Leidensdruck vielleicht auch gar nicht hoch genug, um aktiv zu werden.
Woher man die Akkugesundheit kennt
Bevor man eine Entscheidung trifft, sollte man wissen, wie es um den Akku wirklich steht. Auf iOS direkt unter Einstellungen → Akku → Akkuzustand. Auf Android am besten mit einer App wie AccuBattery, die über mehrere Ladezyklen gemessen haben sollte. Wie die Prüfung genau funktioniert, ist an anderer Stelle ausführlich beschrieben.
Als Daumenregel gilt: Unter 80 Prozent wird es spürbar. Unter 70 Prozent ist ein Tausch eine ernsthafte Überlegung. Unter 60 Prozent rechtfertigt kaum ein Gerät noch eine rein symptomatische Behandlung – außer es ist ein sehr hochwertiges Gerät in sonst einwandfreiem Zustand.
Eine Frage, die man sich vorher stellen sollte
Wie lange möchte man das Gerät noch nutzen? Wer plant, in sechs Monaten ohnehin ein neues Gerät zu kaufen, hat wenig Grund für einen Akkutausch. Wer das aktuelle Gerät noch zwei Jahre lang nutzen möchte, hat jede Menge Grund dafür.
Diese Frage klingt banal, aber sie ist der eigentliche Entscheidungsrahmen. Alles andere – Kosten, Aufwand, Akkugesundheit – ergibt sich daraus.
