Der Gedanke kommt schnell: Der Akku wird plötzlich schlechter – vielleicht hat sich da etwas eingenistet? Ein Virus, eine Schadsoftware, etwas, das heimlich im Hintergrund arbeitet? Es ist ein naheliegender Verdacht, und er ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Aber er ist in der überwältigenden Mehrheit der Fälle nicht der richtige.
Kann Schadsoftware wirklich Akku fressen?
Ja, theoretisch schon. Schadsoftware auf einem Smartphone kann Prozesse im Hintergrund ausführen – Daten sammeln, Nachrichten versenden, Kryptowährungen minen, Werbeinteraktionen simulieren. All das würde Strom verbrauchen, und manches davon recht intensiv.
In der Praxis ist echte Schadsoftware auf Smartphones aber deutlich seltener als viele annehmen. Die App-Stores von Apple und Google sind zwar nicht unfehlbar, aber sie filtern bekannte Schadsoftware aktiv heraus. Auf einem iPhone, das keine Sideloading-Apps aus inoffiziellen Quellen installiert hat, ist Schadsoftware außerordentlich unwahrscheinlich. Auf Android ist das Risiko etwas höher – besonders wenn Apps aus inoffiziellen Quellen installiert wurden.
Wer sein Gerät nicht gejailbreakt hat, keine APKs aus unbekannten Quellen installiert und keine verdächtigen Profile oder Zertifikate akzeptiert hat, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Schadsoftware auf dem Gerät.
Was viel wahrscheinlicher ist
Wenn der Akku plötzlich schlechter wird, sind die häufigsten Ursachen prosaischer: ein Update, das Hintergrundprozesse ausgelöst hat, eine neu installierte App mit hoher Hintergrundaktivität, ein hängender Synchronisierungsprozess, oder schlechter Netzempfang, der das Funkmodul auslastet.
Eine App, die man kürzlich aus dem offiziellen App Store installiert hat und die seitdem viel Strom zieht, ist kein Virus – sie ist eine schlecht optimierte oder aggressiv synchronisierende App. Das ist ein ganz anderes Problem mit einer anderen Lösung.
Woran man Schadsoftware erkennen würde
Es gibt Anzeichen, die tatsächlich auf unerwünschte Software hindeuten können: unerklärliche Datenmengen, die im Hintergrund übertragen werden; unbekannte Apps, die man nicht installiert hat; Werbung, die außerhalb von Apps erscheint; oder Zugriffsberechtigungen, die sich verändert haben, ohne dass man das veranlasst hat.
Ein plötzlich schlechter Akku allein ist kein eindeutiges Zeichen. Es ist ein Symptom, das viele andere Ursachen hat – und Schadsoftware ist auf einem gepflegten, nicht-manipulierten Gerät die unwahrscheinlichste davon.
Was man tun kann, wenn man unsicher ist
Einen Blick in die Liste der installierten Apps werfen und schauen, ob etwas dabei ist, das man nicht kennt oder nicht erinnert, installiert zu haben. Die Akkuverbrauchsstatistik prüfen und schauen, ob ein unbekannter Prozess dort auffällig aktiv ist. Auf Android unter Einstellungen → Sicherheit nachsehen, ob unbekannte Geräteadministratoren oder Profile eingetragen sind.
Wer nach dem Prüfen aller anderen Ursachen noch immer keinen Grund für den hohen Verbrauch findet und einen konkreten Verdacht hat, kann als letzten Schritt das Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Das beseitigt in praktisch allen Fällen auch echte Schadsoftware – ist aber natürlich ein größerer Eingriff, der eine Datensicherung voraussetzt.
In den meisten Fällen liegt die Ursache aber woanders. Ein plötzlich gestiegener Akkuverbrauch hat fast immer eine konkrete, alltägliche Erklärung – und die lässt sich mit ein bisschen Analyse deutlich einfacher finden als ein hypothetischer Virus.
