Akku entlädt sich ohne Nutzung – was zieht da Strom?

Das Handy liegt seit Stunden unberührt auf dem Tisch. Man hat es nicht benutzt, keine App geöffnet, keinen Anruf gemacht. Und trotzdem ist der Akku um 15, 20 Prozent gesunken – obwohl das Gerät quasi nicht genutzt wurde.

Das ist nicht normal. Oder zumindest: Es ist nicht unvermeidlich. Etwas zieht Strom, und meistens lässt sich herausfinden, was.

Was im Standby tatsächlich passiert

Kein Smartphone ist im Standby wirklich aus. Das Gerät hält Verbindungen aufrecht, empfängt Benachrichtigungen, prüft regelmäßig auf neue E-Mails, aktualisiert den Standort für bestimmte Apps und führt gelegentlich geplante Systemaufgaben aus. All das verbraucht Strom – aber unter normalen Umständen sehr wenig.

Ein gut konfiguriertes Gerät in gutem Zustand verliert im Standby über acht Stunden selten mehr als 5 bis 8 Prozent. Alles deutlich darüber hinaus ist ein Hinweis darauf, dass etwas mehr arbeitet als es sollte.

Die häufigsten Ursachen

GPS-Zugriff im Hintergrund ist einer der unscheinbarsten, aber wirkungsvollsten Stromfresser im Standby. Wer Apps installiert hat, die dauerhaften Standortzugriff haben – Wetter-Apps, Fitness-Tracker, manche Navigations-Apps – lässt diese Dienste auch dann aktiv, wenn das Gerät liegt. Ein Blick in die Standortberechtigungen lohnt sich: Alles, was auf „immer“ steht und selten genutzt wird, ist ein Kandidat.

Push-Benachrichtigungen kosten ebenfalls Strom, auch wenn es wenig ist pro Benachrichtigung. Wer viele Apps hat, die in kurzen Intervallen Mitteilungen schicken, hat viele kleine Aufweckmomente über den Tag verteilt – manche davon auch im Standby.

Ein hängender Prozess ist seltener, aber wenn er auftritt, deutlich spürbarer. Ein Sync-Vorgang, der nicht abschließt, eine App in einer Fehlerstate, ein fehlgeschlagenes Update, das wiederholt versucht, sich durchzuführen – all das kann dazu führen, dass das Gerät im Hintergrund dauerhaft unter Last steht, auch wenn es äußerlich still liegt. In solchen Fällen ist das Gerät im Standby auch wärmer als üblich.

Schlechter Netzempfang ist ein weiterer klassischer Standby-Verbraucher. Das Funkmodul erhöht seine Sendeleistung, wenn das Signal schwach ist – und das passiert auch dann, wenn man das Gerät nicht aktiv benutzt.

Wie man den Verursacher findet

Am nächsten Morgen oder nach einer längeren Ruhephase lohnt ein Blick in die Akkustatistik. Unter Einstellungen → Akku sieht man, welche Apps und Dienste in den letzten Stunden Strom gezogen haben. Wenn dort etwas steht, das keine Benachrichtigungen gesendet hat und keine sichtbare Aktivität hatte, aber trotzdem oben auf der Liste erscheint – das ist der Kandidat.

Auf Android zeigen manche Geräte zusätzlich sogenannte „Wake Locks“ – also Zeiträume, in denen das Gerät am Einschlafen gehindert wurde. Spezialisierte Apps wie GSam Battery Monitor machen das noch sichtbarer.

Was konkret hilft

Standortberechtigungen überprüfen und alles, was nicht dauerhaft auf den Standort zugreifen muss, auf „nur bei Nutzung“ setzen. Das gilt besonders für Apps, die man selten öffnet.

Hintergrundzugriff für wenig genutzte Apps einschränken. Unter Android lässt sich das pro App steuern, auf iOS die Hintergrundaktualisierung deaktivieren.

Bei Verdacht auf einen hängenden Prozess: Neustart. Wenn der Standby-Verlust danach deutlich geringer ist, war das die Ursache.

Für Nächte oder längere Ruhephasen, in denen man nicht erreichbar sein muss: Flugmodus. Er ist die sicherste Methode, den Standby-Verbrauch auf ein Minimum zu reduzieren – ganz ohne Einstellungsaufwand.

Wer regelmäßig mehr als 10 Prozent pro Nacht verliert, sollte das nicht als gegeben hinnehmen. Was dabei im Einzelnen passiert und wie man es gezielt einschränkt, lässt sich mit ein bisschen Analyse herausfinden – und in den meisten Fällen auch beheben.