Handy Akku schnell leer bei Kälte – was steckt dahinter?

Es ist Dezember, man steht draußen an der Bushaltestelle, zieht das Handy aus der Tasche – und der Akku zeigt 40 Prozent. Fünf Minuten später, nachdem man kurz auf die Abfahrtszeiten geschaut hat, sind es plötzlich noch 18 Prozent. Und kurz danach schaltet sich das Gerät einfach ab.

Wer das kennt, fragt sich zu Recht, was da gerade passiert ist. Der Akku war doch eigentlich noch halbvoll.

Was Kälte mit dem Lithium-Ionen-Akku macht

Smartphones nutzen fast ausnahmslos Lithium-Ionen-Akkus. Diese Akkus funktionieren über eine chemische Reaktion, bei der Lithium-Ionen zwischen zwei Elektroden wandern. Und diese Reaktion ist temperaturabhängig – sie verlangsamt sich bei Kälte spürbar.

Das bedeutet: Die Kapazität, die der Akku tatsächlich liefern kann, sinkt bei niedrigen Temperaturen vorübergehend. Der Akku hat noch dieselbe gespeicherte Energie wie zuvor – er kann sie aber unter Kälteeinfluss schlechter abrufen. Das ist keine Fehlfunktion, sondern Physik.

Interessant dabei: Das Gerät „weiß“ das nicht immer korrekt einzuschätzen. Die angezeigte Ladestandsanzeige basiert auf Spannungsmessungen, die bei Kälte ungenau werden. Das Handy zeigt 40 Prozent an – aber die tatsächlich verfügbare Leistung entspricht vielleicht nur noch der Hälfte davon. Deshalb kann der Akku scheinbar von 35 auf 0 Prozent einbrechen, ohne Vorwarnung.

Ab welcher Temperatur wird es problematisch

Lithium-Ionen-Akkus arbeiten am besten zwischen etwa 15 und 35 Grad Celsius. Unter 10 Grad beginnt die Leistung spürbar nachzulassen. Unter 0 Grad wird es deutlich merklicher – und unter minus 10 Grad können manche Geräte sich einfach abschalten, obwohl noch Ladung vorhanden ist.

Das ist kein defekter Akku. Sobald das Gerät wieder wärmer wird – zum Beispiel in der Innentasche oder drinnen – erholt sich die Kapazitätsanzeige oft wieder. Der Akku zeigt dann wieder deutlich mehr Prozent. Das wirkt merkwürdig, ist aber ein normales Verhalten.

Winterlicher Alltag: Wann es besonders auffällt

Besonders empfindlich ist die Situation, wenn man das Handy aus einer warmen Umgebung plötzlich in die Kälte bringt. Der Temperatursturz innerhalb kurzer Zeit belastet den Akku stärker als eine gleichmäßig kühle Umgebung.

Auch längeres Navigieren im Freien ist eine typische Winterfalle. GPS-Nutzung zieht schon unter normalen Bedingungen viel Strom – kombiniert mit Kälte und schlechtem Netzempfang kann der Akku in kurzer Zeit fast leer sein.

Wer sein Handy in der Außentasche des Rucksacks oder der Jacke transportiert, gibt ihm kaum eine Chance. Die Körperwärme fehlt als Puffer.

Was wirklich hilft

Das Naheliegendste funktioniert gut: das Handy nah am Körper tragen. Eine Innentasche, die Hosentasche oder ein Brustbeutel halten das Gerät in einem Temperaturbereich, in dem der Akku deutlich besser arbeitet.

Wer weiß, dass er längere Zeit draußen ist, sollte das Handy vorher vollständig aufladen – nicht nur bis 80 Prozent. Kälte ist eine der wenigen Situationen, in denen ein voller Akku als Puffer wirklich sinnvoll ist.

Den Flugmodus nutzen, wenn man das Gerät gerade nicht braucht. Im Flugmodus entfällt die Funksuche, die gerade bei schlechtem Netzempfang im Freien Strom kostet.

Eine Schutzhülle mit etwas Dämmwirkung hilft ebenfalls. Keine Wunderlösung, aber ein kleiner Schutz gegen den direkten Kältekontakt.

Dauerhafter Schaden durch Kälte?

Kurzfristige Kälteeinwirkung – ein paar Minuten draußen, eine Fahrt im Auto im Winter – hinterlässt in der Regel keine bleibenden Schäden. Der Akku erholt sich vollständig.

Anders sieht es aus, wenn das Gerät dauerhaft und regelmäßig extremer Kälte ausgesetzt wird. Häufige Tieftemperaturzyklen können den chemischen Verschleiß des Akkus langfristig beschleunigen. Wer sein Handy etwa regelmäßig im kalten Auto liegen lässt oder es im Winter stundenlang ungeschützt trägt, schadet dem Akku über Zeit mehr als jemand, der das nur gelegentlich macht.

Das Gegenstück zu diesem Thema – was im Sommer mit dem Akku passiert – ist ein eigenes Kapitel wert. Hitze und Kälte schaden dem Akku auf unterschiedliche Weisen, und beide Extreme verdienen Aufmerksamkeit.